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Mit dem Ausdruck ,,Terroristenbrut" (Z. 30) deutet der Göttinger
Student an, dass der Staat den Feind in der linken Studentenbewegung sehe und
gegen diesen nach dem Anschlag auf Buback noch härter vorgehen wird. Da der
Staat hier aber pauschalisiere, indem er die Terroristen dem Studenten-Milieu
zuordnet, wird er offenbar weitere Rechtsbrüche in Kauf nehmen müssen, um gegen
diese Gruppe vorzugehen. Deswegen löst auch der Mord an Buback, einem
Staatsdiener, die ,,klammheimliche Freude" aus: ,, Jetzt nach dem Anschlag
ist nicht nur wieder jedes Mittel recht, um die ,,Terroristenbrut" zu
zerschlagen, sondern die angewandten Mittel sind gar zu gering." (Z.
29-31).
So hat der Staatsanwalt (,,die Bubacks") bei dem Verfahren Roth/Otto die
Verurteilten absichtlich in falscher Anbetracht der Tatsachen des Mordes an
einem Polizisten verklagt (Z. 32-35). In dieser Zeit, so der Autor, ging es
nach dem Prinzip, dass alle Linken potentielle Mörder sind: ,,Revolutionäre
Linke sind Killer, ihre Gesinnung, ihre Praxis prädestiniert sie zu Killern,
die vor keinem Mittel zurückschrecken, so die Gleichung der Ankläger und (offensichtlich)
der Richter." (Z. 35-36).
Trotzdem ist es Personen, die er als ,,Genossen und Genossinnen" bezeichnet,
gelungen gegen diesen ,,Apparat" anzukämpfen und die gleichgeschalteten
Medien auf die erschwerten Haftbedingungen der Terroristen aufmerksam zu machen.
Die Anwälte von Otto und Roth haben daraufhin Antrag auf Haftentlassung gestellt.
Nach dem Anschlag auf Buback sind die Chancen auf eine Haftentlassung aber gesunken,
weil die Terroristen ihren inhaftierten Genossen den Weg ,,verbaut" haben
(Z. 37-45).
Genau an dieser Stelle des Briefes fängt der Autor an, die Gewalttaten der RAF
zu kritisieren.
So habe der Gebrauch sinnloser Gewalt der Linken nur zu Folge, dass die Haftbedingungen
der eigenen Genossen sich verschlechtern und dass mögliche Nachteile in der
Rechtsprechung entstehen. Eine Fokussierung auf die Entwicklung der Gefangenen
in Stammheim und die Forderung ihrer Freilassung durch Gewalt (,,Landshut-Entführung",
,,Hans-Martin Schleyer-Entführung") und die mangelhafte Beschäftigung mit
der politischen Weiterentwicklung in Deutschland führen demnach zur Gegengewalt
und zum Gegenaufstand auf staatlicher Seite: ,, ,Counterinsurgency` andersherum"
(Z. 48).
Allein diese Gewißheit zerstört, oder besser: hemmt, beim Autor die ,,klammheimliche
Freude", denn er kommt zu dem Zwischenresultat: ,,Diese Überlegungen alleine
haben ausgereicht, ein inneres Händereiben zu stoppen." (Z. 50). Obwohl
der Göttinger Student Aktionen bewaffneter Kämpfer einst als gut empfunden hat,
distanziert er sich von jeglichen aktiven Teilnahmen. Damit rückt er sein Bild
in ein helleres Licht, weil er, obwohl der Verfasser des Nachrufs, sich dem
pazifistischen Lager der Linken unterordnet. Trotzdem wird in diesem Teil des
Briefes deutlich, dass der Autor die Motive und Überlegungen zur Rechtfertigung
der Gewalttaten verlässt und diese mit der Sehnsucht nach ,,Action" und
Abenteuer zu erklären versucht: ,,Ich habe mich schon bißchen dran aufgegeilt,
wenn mal wieder was hochging und die ganze kapitalistische Schickeria samt ihren
Schergen in Aufruhr versetzt war. Sachen, die ich im Tagtraum auch mal gern
tun tät, aber wo ich mich nicht getraut habe sie zu tun." (Z. 52-55)
Hiermit zielt der Autor auf die Probleme in der damaligen Gesellschaft ab. So
soll diese, der Meinung der Linken nach, ziemlich ,,bürgerlich", ,,streng
genormt" und ,,spießig" gewesen sein. Außerdem hat vor der Studentenrevolution
der 68er nie zuvor eine sinnvolle Aufarbeitung der NS-Zeit stattgefunden, so
dass man alles vor sich hergeschoben und zu verdecken versucht hat. Deshalb
kam den Studenten damaliger Zeiten jede Aufruhe, die zum Aufrütteln des alten
,,Muffs" beitragen konnte gerade recht. Man hat sich in Deutschland nach
dem 2.Weltkrieg nämlich darauf eingestellt, ein wohlhabendes Leben zu führen
mit möglichst wenigen Erinnerungen an das Dritte Reich über die ,,Runden zu
kommen". Das kommentierte der damalige Justizminister Hans-Jochen Vogel
auch passend im Bundestag, allerdings nach dem Mord an Hans-Martin Schleyer,
der die Gesellschaft der Bundesrepublik verändert hatte:
,,Meine Damen und Herren, es ist noch etwas in Gang gekommen: ein neues Verständnis
unseres Staates. Die Menschen haben in diesen Tagen und Wochen gespürt, daß
der Staat mehr sein muß als eine Schönwettervereinigung zur Wohlstandsmehrung."
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